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In nur einem Jahr vom Donauwörther Sportpreis in die Basketball-Bundesliga

Basketball-Profi Benjamin Koppke. Bild: Niners Chemnitz
Vor rund einem Jahr wurde Benjamin Koppke auf der Donauwörther Sportgala als Sportler des Jahres 2022 ausgezeichnet. Damals spielte er noch Basketball in der Juniorenbundesliga bei Ratiopharm Ulm. In der Zwischenzeit hat sich für den 18-Jährigen allerdings so einiges verändert – ausschlaggebend hierfür war wohl sein Wechsel in die Basketball-Bundesliga zu den Niners Chemnitz.

2023 war ein Sportjahr, in dem sich Basketball – wenn auch nur für wenige Wochen – zum ersten Mal seit langer Zeit vom großen Bruder Fußball emanzipieren konnte. Einige Jahre nach der „Goldenen Generation“ rund um den ehemaligen NBA-Superstar Dirk Nowitzki gelang der deutschen Nationalmannschaft mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft ein kleines Wunder, das weltweit für Aufsehen sorgte. Im Halbfinale schlägt das deutsche Team in einem unfassbaren Krimi sogar den haushohen Favoriten aus den USA.

2023 ist auch das Jahr, in dem sich das Leben von Benjamin Koppke, Donauwörths Sportler des Jahres 2022, komplett auf den Kopf stellt. Er wechselt zu Beginn der neuen Saison aus der Jugend von Ratiopharm Ulm direkt in die BBL (Basketball-Bundesliga) zu den Niners Chemnitz und ist damit endlich Profisportler. Zuvor spielte er in Auswahlteams für Schwaben, Bayern und Deutschland und zählte lange Zeit zu den besten 20 Spielern Deutschlands in seinem Jahrgang.

Junioren-Europameisterschaft, Sportler des Jahres und jetzt Basketball-Bundesliga

Ein besonderes Highlight: Bei der U18-Europameisterschaft 2022 konnte Koppke auch international sein Talent unter Beweis stellen, allerdings nicht für Deutschland, sondern für Tschechien, das Herkunftsland seiner Familie. Für Koppke eine ganz bewusste Entscheidung, die durchaus direkt mit Erfolg verbunden war, wie auch Donauwörths OB Jürgen Sorré in seiner Laudatio während der Sportgala im März 2023 verrät: „Er ist 17 Jahre jung, 2,04 Meter groß und Basketballer in der Nachwuchsbundesliga NBBL bei Ratiopharm Ulm sowie aktueller U18-Nationalspieler. Bei der U18 Europameisterschaft 2022 in der Türkei lief Benjamin Koppke für das tschechische Nationalteam auf. Dabei belegte sein Team den 10. Platz. Mit einem Durchschnitt von 13 Punkten pro Spiel, schloss der Donauwörther mit seinen Kollegen das Turnier in Izmir ab. Auch beim Internationalen Turnier in München hat Benjamin teilgenommen. All diese Fakten haben uns dazu bewogen, ihn mit dem Titel Sportler des Jahres 2022 auszuzeichnen.“

Sportliche Wurzeln bei den VSC Baskets Donauwörth

Das Talent für den Basketballsport scheint dem Jugendnationalspieler dabei bereits bei der Geburt in die Wiege gelegt worden zu sein. Seine Mutter und sein Opa spielten beide für die Nationalmannschaft der Tschechoslowakei und sind zeitgleich seine absoluten Vorbilder. Der Großvater nahm sogar an den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal teil. An genau diese Erfolge seiner Familie möchte Koppke in den kommenden Jahren anschließen. Dies sei einer der Gründe, warum er sich für die tschechische Nationalmannschaft entschieden habe. Und dass, obwohl in seiner Brust nach wie vor zwei Herzen schlagen würden. Eines für das Herkunftsland seiner Familie, eines für sein Geburtsland Deutschland. So wird Koppke 2005 in Kiel geboren, landet nach mehreren Umzügen mit seiner Familie in Donauwörth und startet hier erst so richtig mit seiner Basketball-Karriere durch.

Auf seine Anfänge bei den VSC Baskets Donauwörth folgt zunächst die Station in der Basketball-Akademie Augsburg von wo aus er zunächst für zwei Jahre in das Jugendinternat von Ratiopharm Ulm und schließlich in die BBL zu den Niners Chemnitz wechselt. Früh muss er lernen sich trotz einiger Rückschläge durchzusetzen. „Einen guten und einen sehr guten Sportler unterscheidet, wie gut man auf schlechte Leistungen reagiert und ob man bereit ist weiter an seinen Schwächen zu arbeiten“, weiß Koppke heute.

Koppke mit Chemnitz voll auf Playoff-Kurs

Ein steiler Aufstieg für einen jungen Mann, der noch vor wenigen Jahren im eigenen Kinderzimmer lebte. Ein Aufstieg, der auch Schattenseiten und Entbehrungen mit sich. Zweimal am Tag Training – einmal mit der U19 und einmal mit dem Profiteam, dazwischen noch individuelle Einheiten. Freunde und Familie sieht er noch weniger, als in seiner Zeit in Ulm und trotzdem blickt er mit Zuversicht und viel Selbstbewusstsein in die Zukunft: „Ich habe beschlossen, alles auf die Karte Basketball zu setzen. Das bedeutet auch, dass man gewisse Kompromisse eingehen muss“.

Und diese Kompromisse scheinen sich auszuzahlen. In seinen ersten Monaten in der BBL steht Koppke in der Liga und im Pokalwettbewerb in insgesamt sechs Spielen auf dem Court. Für einen Spieler, der direkt aus der Jugend in die höchste deutsche Spielklasse wechselt, bemerkenswerte Zahlen. Auch deshalb, weil Chemnitz aktuell auf Tabellenplatz zwei steht und damit voll auf Playoff-Kurs ist. Auf den erst 18-jährigen Benjamin Koppke aus Donauwörth könnte damit 2024 direkt das nächste große Highlight zukommen.

Bild: Preiselbeer-Fotografie // Elmar Bschorer