St. Vinzenz Nördlingen

Von den Philippinen nach Nördlingen: Haidee Paul lebt Pflege

Auf dem Bild zu sehen (von links): Haidee Paul, Bewohner von St. Vinzenz Karola Rauwolf, Irina Fischer und Bewohner Emil Malbeck. Bild: Jenny Wagner
Seit 2019 arbeitet die 36-jährige Haidee Paul im Altenheim St. Vinzenz in Nördlingen. Nur kurz nachdem sie 2017 nach Deutschland kam, entschied sie sich dafür, einen Beruf in der Pfl ege zu erlernen. Eine Entscheidung, die sie bis heute keinen Tag bereut hat.

Der Liebe wegen hat Haidee Paul ihre Heimat Davao auf den Philippinen verlassen und ist zu ihrem Mann nach Nördlingen gezogen. Vor ihrer Auswanderung im Jahr 2017 hat sie bereits einen Deutschkurs in Manila erfolgreich absolviert, denn für sie war klar, dass sie in Deutschland Fuß fassen und arbeiten möchte. Während sie mit Bravour mehrere Deutschkurse in Nördlingen absolvierte und ihren Führerschein machte, arbeitete sie bereits für einige Zeit als Küchenhilfe. „Mein Mann hat mir mehrere Ausbildungen vorgeschlagen, ich habe mich aber bewusst für einen Beruf in der Pflege entschieden. Mein Mann selbst ist schwerbehindert und ich kümmere mich auch um seine Pflege“, erzählt Haidee Paul. Im September 2018 begann sie dann schließlich eine Ausbildung als Altenpflegehelferin an der Lieselotte-Nold-Schule in Nördlingen. Seit August 2019 arbeitet Haidee Paul im Altenheim St. Vinzenz und macht dort die generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau. „Die Einrichtung hat mir eine Chance gegeben, darüber freue ich mich sehr. Wir Pfl egeschüler bekommen die volle Unterstützung von der Einrichtungsleitung und von Kollegen. Mir gefällt die Arbeit sehr gut, es gibt zwar viele anstrengende Momente, aber am Ende des Tages bin ich sehr zufrieden“, erzählt die 36-Jährige.

Manchmal, so sagt sie, nehme sie ihre Arbeit gar nicht als Beruf wahr. Sie liebe einfach ihre Tätigkeit und den Umgang mit den Patient*innen. „Ich freue mich, wenn die Bewohner alle zufrieden sind!“, lacht sie.

Der Mensch im Mittelpunkt - trotz Personalmangels

Haidee Paul ist nicht die einzige Pflegekraft, die aus dem Ausland kommt, und in der Pflegeeinrichtung in Nördlingen arbeitet. „Wir bekommen viele Bewerbungen aus dem Ausland“, erzählt Einrichtungsleiterin Angelika Schäfer. Die Einstellungsprozesse seien jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung – Voraussetzung ist eine pflegerische Ausbildung im Heimatland und deutsche Sprachkenntnisse auf dem B2-Niveau. Jedoch fehle es an allen Ecken an Personal und so sei man froh über jede Bewerbung. Natürlich, so Schäfer, sei die Einarbeitung aufwendiger und brauche viel mehr Zeit. Aber über alldem stehe an erster Stelle die Patientenzufriedenheit. „Wir wollen eine gute und qualitativ hochwertige Pflege leisten“, sagt die Einrichtungsleiterin.

Froh sei man derzeit vor allem über die Anzahl an Auszubildenden. Derzeit beschäftigt die Pflegeeinrichtung St. Vinzenz im stationären und ambulanten Bereich zehn davon. Mit dieser Zahl sei man deswegen zufrieden, da vor rund zehn Jahren das Interesse an Ausbildungen im Pflegebereich stark einbrach. Die Einführung der generalistischen Ausbildung habe die Situation jedoch verbessert. „Die Ausbildung ist jedoch sehr anspruchsvoll und die Abbrecherquote ist sehr hoch“, berichtet Angelika Schäfer.

Betten werden bewusst leer gelassen

Wie präsent der Pflegenotstand trotz guter Nachwuchszahlen im Pflegeheim St. Vinzenz in Nördlingen ist, zeigen die Zahlen. Da notwendiges pflegerisches Personal fehle, musste die Leiterin die Bettenanzahl von 108 auf 98 reduzieren. Gerade seien sogar nur 94 Plätze belegt. Die Reduzierung sei eine bewusste Entscheidung zu Gunsten der Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen gewesen. „Dass dadurch natürlich ein riesiger wirtschaftlicher Schaden entsteht, ist die Konsequenz, mit der wir leben müssen“, sagt Schäfer. Der Personalmangel ziehe sich aber wie ein roter Faden durch alle Abteilungen – auch in den Führungsebenen sei es sehr schwierig geeignetes Personal zu finden.

Betonen möchte Melanie Birle, Leiterin der ambulanten Pflege bei St. Vinzenz, dass in den Medien häufig pflegerische Berufe schlechter dargestellt werden, als sie seien. „Das Grundgehalt ist gut. Dazu kommen noch Schichtzulagen oder die Einspringprämie“, berichtet Birle. Mit weiteren Benefits, wie zum Beispiel Gutscheinen oder eine zweimal wöchentlich stattfindende Kinderbetreuung direkt im Haus, will St. Vinzenz für sich werben. „Wir haben alles ausgereizt, was wir leisten können“, schließt sich Angelika Schäfer an. Eine 4-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich sei schlichtweg einfach nicht praktikabel.

Tagespflegeeinrichtung entsteht bis Ende 2023

Bis zum Jahresende 2023 entsteht in Nördlingen eine weitere Einrichtung von St. Vinzenz. Oberbürgermeister David Wittner bezeichnete beim Spatenstich im Mai 2022 das Projekt als einen „besonderen Meilenstein auf dem Weg, den Senioren ihren Wunsch, nach Möglichkeit zuhause betreut zu werden, durch Tages- und Kurzzeitpflege zu erfüllen.“ 24 zusätzliche Plätze werden dort nun künftig für Senior*innen zur Verfügung stehen. Angelika Schäfer: „Für Seniorinnen und Senioren ist eine sichere Tagesstruktur besonders wichtig. Wenn diese gewährleistet ist, ist auch der Umgang mit Demenzkranken möglich.“

Auszeichnung durch das Staatsministerium

Staatsministerin Ulrike Scharf hat am 31. Mai 2023 Haidee Paul die Dank- und Ehrenurkunde sowie die Pflegemedaille für besondere Verdienste um pflegebedürfte Menschen mit Behinderung verliehen. In der Laudatio sagte Regierungspräsidentin Barbara Schretter:

„Sie zeichnen sich in besonderem Maße durch ihre außergewöhnliche Pflegeleistung aus. Mit bewundernswerter Liebe und Fürsorge sowie unter Zurückstellung eigener Interessen und Bedürfnisse pflegen und versorgen Sie seit 2017 Ihren Ehemann Eugen. Sie sind damit ein hervorragendes Beispiel für praktische Fürsorge und Verantwortung.“

Haidee Paul gemeinsam mit Regierungspräsidentin Barbara Schretter. Bild: Meyer/R.v.S

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