Theater

Vorhang auf für das Peichinger Bauerntheater

Szene aus dem Stück „Da Himme wart net“ aus dem Jahr 2017. Bild: Peichinger Bauerntheater 1965 e.V.
Vor mehr als 50 Jahren wurde das Peichinger Bauerntheater gegründet, um das Dorfleben in Oberpeiching, einem kleinen Ortsteil der Stadt Rain, zu beleben. Seitdem spielen die Mitglieder des Vereins jährlich eine Bauernkomödie. Ein Kindertheater und mehrere Gastspiele komplementieren mittlerweile das buntgemischte Veranstaltungsprogramm.

Im Jahr 1965 gründete Adolf Pest gemeinsam mit dem Lehrer und Schulleiter der Volksschule Oberpeiching, Manfred Arloth, den Verein „Peichinger Bauerntheater 1965 e.V.“ „Ab diesem Datum wurden in der Fastenzeit (vor Ostern) im Saal der damaligen Gastwirtschaft Wintermayr ländliche Komödien aufgeführt. Der Erfolg war dank hervorragender Charakterdarsteller groß“, heißt es in der Chronik des Vereins. Das erste Stück, das im Jahr 1965 gespielt wurde, war ein 4-Akter von F. Streicher mit dem Namen „Adam und Eva“. Bis 2020 wurde durchgehend jedes Jahr ein neues bäuerliches, beziehungsweise, bürgerliches Theaterstück aufgeführt. Nach dreijähriger Corona-Pause wollen die Laiendarsteller*innen im Frühjahr 2023 wieder ein Stück auf die Bühne bringen.

Im Jahr 1994 wurde das Repertoire des Vereins um ein Kindertheater erweitert. Die Aufführungen finden immer im Herbst oder Winter eines Jahres statt, insgesamt wurden bisher zehn Stücke von Kindern und Jugendlichen ab 14 Jahren gespielt. Darunter weihnachtliche Aufführungen wie „Gretl’s Weihnachtstraum, klassische Geschichten wie „Max und Moritz“ und Kriminalstücke wie „Die Plastiktüte im Park“.

Zu Beginn der 1980er Jahre standen große Veränderungen im Verein an, als klar wurde, dass der bisherige Veranstaltungssaal nicht mehr länger zur Verfügung stünde. Schließlich wurde die leerstehende alte Schule in Oberpeiching als neue Örtlichkeit auserkoren und in das „Haus der Vereine“ umgewandelt. „Darüber gab es damals sehr viele Diskussionen, schließlich kostete der Umbau sehr viel Geld“, erzählt der 1. Vorstand des Peichinger Bauerntheaters, Dr. Albert Schlecht. Das Gebäude wurde in tausenden ehrenamtlichen Arbeitsstunden renoviert, saniert und erweitert, sodass ein Saal mit Bühne und einem großen Zuschauerraum entstanden ist; insgesamt wurden über 200 Sitzplätze geschaffen. Im Jahr 1987 konnten erstmals Theateraufführungen im neuen Haus der Vereine aufgeführt werden. Anlässlich des 50. Jubiläum des Vereins, wurde in den Jahren 2014 und 2015 das Gebäude erneut in Eigenleistung der Mitglieder aufwendig saniert, barrierefrei gestaltet und die Brandschutzbestimmungen überholt.

 

Namhafte Künstler*innen auf der Theaterbühne

Seit 2010 fungieren die Räumlichkeiten des Bauerntheaters im Haus der Vereine auch als Veranstaltungsort für Kabarettabende, Zaubershows und Konzerte. Bekannte Kunstschaffende wie Musiker Hans Well oder Kabarettist Maxi Schafroth konnte die Vereinsführung schon nach Oberpeiching holen. „Damit wollte sich der Verein ein drittes Standbein aufbauen“, sagt Albert Schlecht. Allerdings sind solche Veranstaltungen nicht ganz ohne Risiko: „Wir bezahlen den Künstlern immer die ausgehandelte Gage, egal, wie viele Zuschauer kommen. Wenn die Eintrittsgelder nicht die Gage decken, dann bleibt der Verein auf den Kosten sitzen.“ In den nächsten Monaten können sich die Zuschauer*innen noch auf zwei hochklassige Veranstaltungen freuen. Am 18. November tritt das österreichische Kabarett-Duo „Die Kernölamazonen“ mit ihrem Programm „Sexbomb forever“ auf. Im neuen Jahr, am 28. Januar 2023, ist Kabarettist Stefan Kröll mit seinem Programm „Aufbruch!“ auf der Theaterbühne in Oberpeiching zu sehen.

Für beide Veranstaltungen gibt es noch Tickets, online oder an den Vorverkaufsstellen, zu kaufen.

Aufnahme aus früheren Zeiten. Das Peichinger Bauerntheater spielt seit mehr als 50 Jahren Theater. Bild: Peichinger Bauerntheater 1965 e.V.

Engagement auch neben der Theaterbühne

Mittlerweile hat der Verein über 270 Mitglieder, die allesamt aus Oberpeiching und der umliegenden Region stammen. Stolz ist man besonders auf das große ehrenamtliche Engagement der Mitglieder, die alle Veranstaltungen in Eigenregie durchführen. Zudem beteiligt sich der Verein regelmäßig aktiv am gesellschaftlichen Leben. „Am Stadtfest in Rain sind wir jedes Jahr mit einem Essens- und Getränkeverkaufsstand sehr aktiv“, erzählt Albert Schlecht. Auf die Einnahmen ist der Verein trotz großzügiger Unterstützung diverser lokaler Sponsoren angewiesen. Zudem bietet der Theaterverein einen Nikolaus-Dienst am 5. und 6. Dezember an. Bis zu einhundert Kinder werden jedes Jahr vom Nikolaus und seinem Helfer Knecht Ruprecht besucht. Auch in diesem Jahr wird der Verein wieder viele Kinderaugen zum Strahlen bringen. Vereinsvorsitzender Dr. Albert Schlecht verrät, dass der Nikolaus und sein Helfer in diesem Jahr noch Kapazitäten frei haben und Buchungen noch gerne angenommen werden.

Szene aus dem Stück „Die Rache der verschmähten Jungfrau“ aus dem Jahr 2014. Bild: Peichinger Bauerntheater 1965 e.V.

Redakteurin. Recherchiert und schreibt für online und im blättle. Immer unterwegs, ob bei einer politischen Diskussion, einem Unfall oder im Eins-zu-eins Gespräch mit ihren Interviewpartnern. Zimmerpflanzenbeauftragte im Redaktionsbüro. Steht in ihrer Freizeit auf dem Tennisplatz.
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