Theatervorstellung

"Bezahlt wird nicht" im Klösterle

(Darsteller von links nach rechts) Thorsten Hamer, Mirjam Smejkal. Bild: "Forster"
„Bezahlt wird nicht“ Komödie von Dario Fo/Deutsch von Peter O. Chotjewitz, wird am Mittwoch, 29. November 2023, um 20 Uhr im Stadtsaal „Klösterle“ (Landestheater Schwaben/Memmingen) aufgeführt.

„Bezahlt wird nicht!“ - das beschließen die Frauen im Supermarkt in einem spontanen Akt der Revolte, als wieder einmal eine Inflation die Lebensmittelpreise ins Unermessliche treibt. Auch Antonia stopft sich beherzt die Taschen voll, bis sie an ihren rechtschaffenden Ehemann denkt, der alle Aktionen jenseits der Legalität aufs schärfste verurteilt. Also müssen die Lebensmittel erst einmal verschwinden und landen somit unter dem Bett und dem Mantel von Freundin Margherita.

Doch aufgrund eines Streiks in der Fabrik erscheint Ehemann Giovanni ausgerechnet an diesem Tag vor der erwarteten Zeit und wird von dem riesigen Bauch der besten Freundin Antonias überrascht. Schnell wird ihm eine Spontan-Schwangerschaft aufgetischt und nun entspinnt sich die burleske Komödie des Nobelpreisträgers Dario Fo in den allerkomischsten Facetten.

Wie in der italienischen Farce bei Dario Fo üblich erscheint ein Schauspieler, der aufgrund der geringen Ensemblestärke, also der begrenzten Mittel des Theaters, statt nur einer Rolle alle weiteren Nebenrollen der Handlung übernehmen muss. Hierbei entwickelt sich neben dem verbalen und körperlichen Theaterspaß eine Freude an den Möglichkeiten des Theaterspiels. Die Herausforderung, mehrere Figuren zu verkörpern und dabei schnell Umzüge und Auftritte zu meistern, wird zusätzlich zu einem großen Fest des Mediums Theater. Neben der Komik aber steht als ernste Grundierung der Aufruf an die Schwächeren der Gesellschaft, die Ungerechtigkeit und soziale Schieflage nicht weiter zu erdulden. Alle Gesetzesüberschreitungen und nicht ganz legalen Unternehmungen der Figuren in BEZAHLT WIRD NICHT! werden in den Kontext des ausbeuterischen kapitalistischen Systems gestellt, in dem profitmachende Unternehmen sich gewissenlos der Besteuerung entziehen können und doch dabei innerhalb der Gesetze agieren.

Der Regisseur Tobias Sosinka findet in dem 1974 entstandenem Stück unzählige Parallelen zur gegenwärtigen sozialen Situation der Mittelschicht in Deutschland. Genau wie Dario Fo stellt Sosinka die unter der Wirtschaftskrise am meisten leidende Bevölkerungsschicht in den Fokus der Geschichte. Ein rasantes Spieltempo lässt die Figuren von einem Konflikt in die nächste Problematik rutschen. Der Konflikt wird sehr ernst genommen, aber mit allen aus der Theatergeschichte bekannten komischen Mitteln dargestellt. Die Charaktere prallen mit ihren manchmal feinen unterschiedlichen politischen Ansichten aufeinander. Gerade Giovanni, der sich klare Regeln im Arbeitskampf oder gesellschaftlichen Protest auferlegt hat, stößt im Verlauf der Handlung immer mehr an die Grenzen seines favorisierten Parteiprogramms. Die reine Theorie scheitert großartig an der realen Situation.

Die Frauen sind in diesem Stück und in der Inszenierung von Tobias Sosinka die Vorreiter der Revolution und die Helden der Geschichte, die aber ganz praktisch aus der realen Situation hervorgeht. Die Theorie beweist sich in der Praxis als überholt. Aus reiner Not begehen Antonia und die anderen Frauen den Aufstand und müssen diesen sogar gegen die eigenen Ehemänner verteidigen. Wie in italienischen Komödien üblich, erreichen sie ihre Ziele mit Wort und Spielwitz. Am Schluss lädt Tobias Sosinka die Zuschauer*innen ein, selbst an einer Zukunftsvision mit zu denken und nicht die Politik allein der Regierung zu überlassen.

Karten für diese sehenswerte Komödie mit dem Schauspielteam des Landestheater Schwaben/Memmingen sind bei der Tourist Information der Stadt Nördlingen, Marktplatz 15, im Internet unter www.noerdlingen.de oder direkt an der Abendkasse am Mittwoch, 29. November 23 ab 19 Uhr erhältlich. (pm)