Kommunalwahl 2026

Wahlbetrug in Tagmersheim? Vorwürfe zu Unterstützungslisten sorgen für Diskussionsstoff

Blick auf Tagmersheim Bild: Diana Hahn
Nach der Bürgermeisterwahl in Tagmersheim sorgen mögliche Unregelmäßigkeiten bei den Unterstützungsunterschriften für viel Zündstoff. BSW und die amtierende Bürgermeisterin Petra Riedelsheimer erheben schwerwiegende Vorwürfe. Was dahinter steckt

Die Kommunalwahl 2026 liegt erst wenige Tage zurück und doch sorgen die Ergebnisse weiterhin für Gesprächsstoff - ganz konkret in der Gemeinde Tagmersheim. Hier haben sich in den vergangenen Tagen die Ereignisse überschlagen. Mittelpunkt der Diskussion sind der neu gewählte Bürgermeister Lothar Behringer, seine Amtsvorgängerin Petra Riedelsheimer (CSU), die VG Monheim, das Landratsamt Donau-Ries und das BSW Nordschwaben. Der Grund: Nach der Bürgermeisterwahl in Tagmersheim stehen aktuell mögliche Unregelmäßigkeiten beim Verfahren der Unterstützungsunterschriften im Raum. Der nordschwäbische Vertreter des Bündnis Sahra Wagenknecht, Manfred Seel, lässt dazu aktuell prüfen, ob eine Wahlanfechtung oder weitere rechtliche Schritte in Betracht kommen. 

Auslöser für diese Entwicklung sei laut Seel ein Hinweis von CSU-Bürgermeisterin Petra Riedelsheimer, die auf mögliche Auffälligkeiten im Vorfeld der Wahl hingewiesen haben soll. Demnach sollen im Januar Unterstützungslisten für verschiedene Wahlvorschläge zeitweise von einer Mitarbeiterin der Tagmersheimer Gemeindeverwaltung mit nach Hause genommen worden sein. Die Mitarbeiterin soll die Listen an zwei Tagen nach Dienstschluss mitgenommen und am folgenden Tag wieder zur Verwaltungsgemeinschaft Monheim gebracht haben. Brisant erscheint der Vorgang deshalb, weil es sich bei der Mitarbeiterin um die Ehefrau von Lothar Behringer handelt, der bei der Bürgermeisterwahl kandidierte und schließlich auch zum Bürgermeister gewählt wurde.

Landratsamt Donau-Ries: Keine konkreten Hinweise auf Manipulation

Seel sieht darin zumindest einen möglichen Anlass für eine rechtliche Prüfung. Er erklärt: „Auffällig ist aus meiner Sicht schon, dass der Wahlvorschlag des später gewählten Bürgermeisters vergleichsweise schnell die notwendige Zahl an Unterstützungsunterschriften erreichte, während der Wahlvorschlag des BSW für die Kreistagswahl in Tagmersheim keine einzige Unterschrift erhalten habe." Konkrete Hinweise auf Manipulationen liegen allerdings bislang nicht vor. Dies bestätigt auf Nachfrage auch das Landratsamt Donau-Ries. Nach Angaben der Behörde habe eine Bedienstete der Verwaltungsgemeinschaft Monheim die Unterschriftenlisten tatsächlich an zwei Tagen nach Dienstschluss mitgenommen und am nächsten Tag wieder zurückgebracht. Dieses Vorgehen sei im täglichen Ablauf zwischen Gemeinde und Verwaltungsgemeinschaft üblich gewesen. Gleichwohl wolle man den Umgang mit sensiblen Daten nochmals mit der Verwaltungsgemeinschaft erörtern.

Die Rechtsaufsicht weist den Vorwurf der Untätigkeit zurück. Nach der Information über den Vorfall am 19. Januar habe man sofort Kontakt mit der Verwaltungsgemeinschaft aufgenommen, den Sachverhalt geprüft und die Unterstützungslisten zur Kreistagswahl kontrolliert – ohne Hinweise auf Unregelmäßigkeiten. Der Wahlvorschlag des BSW wurde nicht zugelassen, da die nötigen Unterstützungsunterschriften fehlten; eine Beschwerde dagegen wies der Beschwerdeausschuss der Regierung von Schwaben zurück. Unterlagen zur Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl liegen der Rechtsaufsicht noch nicht vor. Hinweise auf manipulierte Unterschriftenlisten gebe es derzeit nicht.

Riedelsheimer wünscht sich mehr Transparenz

Anders stellt die Situation Petra Riedelsheimer dar und wünscht sich mehr „Transparenz" - unabhängig vom Wahlergebnis. „Nach Ablauf der Frist wurde ich am Montag, 19. Januar 2026, gegen 09:00 Uhr vom Wahlamt der VG Monheim aufgefordert, die Listen zu bringen“, schildert Riedelsheimer. Diese seien jedoch bereits ohne ihr Wissen nach dem letzten Auslegungstermin am 17. Januar von Frau Behringer, der Ehefrau des Bürgermeisterkandidaten, mitgenommen worden. Auch am 12. Januar habe Behringer eine vollständig gefüllte Seite an sich genommen, um sie zur VG zu bringen.

Riedelsheimer spricht von einer „sehr speziellen Situation“ im Vorfeld der Wahl. Unterstützungsunterschriften dürften laut Aushang nur in den Räumen der VG Monheim oder der Gemeindeverwaltung Tagmersheim geleistet werden. Der Transport der Listen müsse zudem auf direktem Weg durch unbefangene Personen erfolgen – „das war hier nicht gewährleistet“.

Lothar Behringer - immerhin gemeinsam mit seiner Frau Mittelpunkt der Vorwürfe - blickt der Situation hingegen entspannt entgegen. Er könne zwar bestätigen, dass seine Frau die Listen auf Anweisung der Verwaltungsgemeinschaft mit nach Hause genommen habe, dies sei allerdings durchaus üblich gewesen - nicht nur jetzt, sondern auch in der Vergangenheit. Selbst zu Gesicht bekommen habe er die Listen allerdings nie. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die aktuellen Untersuchungen etwas Belastbares ans Tageslicht bringen", erklärt er und bedauert gleichzeitig den Umgang mit den Mitarbeitern der VG Monheim. Es sei schade, dass viele Leute aus der Verwaltung durch die aktuellen Vorgänge in ein schlechtes Licht gerückt werden. „Das hat keiner verdient", so Behringer. 

Ausgang der Wahlprüfung offen

Ob es tatsächlich Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit den Unterstützungslisten gegeben hat, muss nun die offizielle Wahlprüfung klären. Bislang liegen weder bestätigte Hinweise auf Manipulationen noch ein abgeschlossenes Prüfverfahren vor. Die abschließende Bewertung der Kommunalwahlen im Landkreis erfolgt durch die Regierung von Schwaben. Bis dahin gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung. Unklar ist auch noch, welche Auswirkungen die aktuelle Situation auf die Stichwahl zum Landrat / zur Landrätin am 22.03. haben wird. Ein anonymer Brief an Landratskandidatin Claudia Marb (CSU) und MdL Wolfgang Fackler (CSU) legt zumindest nahe, dass eine gewisse politische Brisanz mitschwingt. 

Die Verfasser äußern darin die Sorge, dass durch die erhobenen Vorwürfe der Eindruck entstehen könne, eine demokratisch zustande gekommene Wahl solle nachträglich in Zweifel gezogen werden. Gleichzeitig wird kritisch hinterfragt, dass im Zusammenhang mit dem Vorgang offenbar auch Unterstützung aus dem Umfeld des BSW gesucht worden sei. Nach Angaben des Fackler-Büros werde eine umfassende Kontrolle sämtlicher Wahlunterlagen erst im Rahmen der regulären Wahlprüfung erfolgen, sobald die endgültigen Ergebnisse festgestellt und die Unterlagen an die Rechtsaufsicht übermittelt worden seien. „Die anonym übermittelten Hinweise werden jedoch ernst genommen und in das Verfahren einbezogen", so Fackler. 

Unterstützungsunterschriftenverfahren - darum geht es

Das Unterstützungsunterschriftenverfahren ist ein Teil des Wahlrechts bei Kommunalwahlen in Deutschland. Es dient dazu sicherzustellen, dass nur ernsthafte Wahlvorschläge auf dem Stimmzettel stehen. Wenn eine Partei oder Wählergruppe noch nicht im entsprechenden Parlament vertreten ist, muss sie vor der Wahl eine bestimmte Anzahl von Unterstützungsunterschriften von Wahlberechtigten sammeln. Im konkreten Fall handelte es sich in Tagmersheim um das Bündnis Sara Wagenknecht (BSW) und um die vor der Wahl neu gegründete Wählergruppe "Gemeinsames Miteinander Tagmersheim". 

Redakteur. Schreibt bei uns für Online und blättle. Ist in Donauwörth geboren und aufgewachsen und der Stadt sehr verbunden. In seiner Freizeit als Spieler und Trainer auf den Fußball - und Tennisplätzen der Region zu finden.

Telefon: 0906 / 977 598 - 25

toesterer@donau-ries-aktuell.de