Digitalisierung

Nördlinger Stadtarchiv erhält Bundeszuschuss

Das Stadtarchiv Nördlingen. Bild: Christina Atalay / Stadt Nördlingen
Das Nördlinger Stadtarchiv zählt zu den besterhaltenen Stadtarchiven Deutschlands. Es verwahrt ca. 14.000 Urkunden vom 13. bis ins 19. Jahrhundert. Mehrere Amtsbuchserien setzen bereits im Spätmittelalter ein. So beginnt etwa die Serie der Pfand- bzw. Stadtbücher in der Mitte des 14. Jahrhunderts, die der Stadtkammerrechnungen im Jahr 1399 und die der Steuerbücher 1404.

Ein besonderer Schatz, den in diesem Umfang die wenigsten Archive aufweisen, sind die bereits um 1350 einsetzenden Missiven. Dabei handelt es sich um die bei der Stadt eingelaufenen Briefe, die im Archiv nach Jahrgängen gebündelt in chronologischer Reihenfolge abgelegt sind und ca. 50 Regalmeter einnehmen. Die Missivenüberlieferung läuft – selbst über so einschneidende Zäsuren wie den Dreißigjährigen Krieg hinweg – bis zum Ende der Reichsstadt-herrlichkeit Nördlingens im Jahre 1802 lückenlos fort.

Da die Missiven von der Forschung stark frequentiert werden, erschien es nicht zuletzt aus konservatorischen Gründen sinnvoll, diese herausragende Überlieferung sukzessive digital zugänglich zu machen. Hierzu erhielt das Stadtarchiv nun einen Bundeszuschuss im Rahmen des Projekts „WissensWandel. Digitalprogramm für Bibliotheken und Archive innerhalb von Neustart Kultur“.

Das Programm Neustart Kultur wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und zielt auf einen Neustart des kulturellen Lebens in Deutschland in Zeiten von und nach Corona. Der Anfang wurde mit den ersten 30.000 Blatt des Missivenbestands gemacht. Mit Unterstützung des Förderprogrammes konnten in dieser ersten Tranche die Missiven bis 1450 digitalisiert werden.

Es finden sich Schreiben ganz unterschiedlicher Korrespondenzpartner, wie z. B. der kaiserlichen Kanzlei, bischöflichen und anderen kirchlichen Behörden, aber auch von Bürgern hauptsächlich auswärtiger Städte.

Stadtarchivar Dr. Wilfried Sponsel und sein Nachfolger Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler freuen sich, dass es mit Hilfe des Bundesprogrammes gelungen ist, die planmäßige Digitalisierung ganzer Bestände anzugehen. Die digitalisierten Missiven sollen in Bälde auf der Homepage des Stadtarchivs zur Verfügung stehen.

Das Digitalisierungsprojekt bot zugleich den willkommenen Anlass, der konservatorisch bedenklichen Lagerung der Missiven – verschnürt in Stehsammlern – abzuhelfen. Die einzelnen Jahrgänge werden nun in säurefreie Kartons umgelegt, die einschneidenden Schnürungen entfernt und künftig liegend gelagert.(pm)