Weihnachtszeit

„Wenn es Weihnachten nicht gäbe, müsste man es erfinden“

Umgeben von allerlei Weihnachtsdekoration - hier ist Gregor von Kursell voll in seinem Element. Bild: Thomas Oesterer
Spätestens ab dem ersten Advent beginnt für viele Menschen die besinnliche Zeit. Während sich Weihnachten für den Großteil der Bevölkerung auf nur wenige Wochen beschränkt, wirft der langjährige Airbus-Pressesprecher Gregor von Kursell einen genaueren Blick hinter das Fest der Liebe.

Alle Jahre wieder freuen sich Menschen auf die besinnliche Weihnachtszeit. Lebkuchen, Christkindlesmärkte und viel Zeit mit der Familie prägen diese Wochen des Jahres. Für einen Donauwörther ist der Heilige Abend jedoch mehr als nur ein Familienfest.

Gregor von Kursell, langjähriger Pressesprecher bei Airbus Helicopters, hat schon vor Jahren seine Leidenschaft für Weihnachte entdeckt. Diese drückt sich allerdings nicht in Lichterketten und Dekoration aus, sondern in zahlreichen Büchern und einem riesigen Expertenwissen über das Fest zur Geburt Christi.

Für ihn begann die Leidenschaft ebenfalls mit einer Geburt – nämlich die seiner Tochter. Für sie wollte er ein Buch mit Weihnachtsliedern zusammenstellen. „Ein Aha-Erlebnis war für mich dabei, wie alt die Lieder zum Teil sind oder auch wie neu manche Bräuche“, beschriebt der „Weihnachtsexperte“ seine Erfahrungen. Für Lieder habe er sich damals entschieden, weil Singen etwas sei, „was man jederzeit machen kann“.

Weihnachten ist eine Rückkehr in die Kindheit

Bis heute hat ihn diese Faszination nicht mehr losgelassen und so hat er für sich mittlerweile auch eine Erklärung, was den Erfolg des Festes ausmacht. „Es ist eine Rückkehr in die Kindheit für die Erwachsenen.“ Man wolle diese Erinnerungen wieder aufleben lassen und an die eigenen Kinder weitergeben. „Wenn es Weihnachten nicht gäbe, müsste man es erfinden“, betonte er daher.

Dazu erfüllt Weihnachten die Menschen in einer Zeit, die von Kälte und Dunkelheit geprägt ist, mit Freude und Lebenslust. Das alles verhilft Weihnachten zu seiner zentralen Bedeutung. Das zeigt sich auch in der ständigen Weiterentwicklung des Festes. Überall auf der Welt gibt es eigene Traditionen, die sich immer wieder verändern. Das Weihnachtsfest erfindet sich so ständig neu.

Kuriositäten und neue Bräuche

Auch von Kursell findet ständig neue oder alte Bräuche, die amüsieren, überraschen oder verwundern. Einer seiner Lieblingshelden der Weihnachtszeit sei Roland, der Furzer am Hofe von Heinrich II. von England – dem Vater von Richard Löwenherz. „Der hatte die Aufgabe, an Weihnachten an Heinrichs Hof zu erscheinen und einen Pfiff, einen Sprung und einen Furz zu zeigen.“ Dieser doch sehr eigenwillige Brauch hat die Jahrhunderte jedoch nicht überstanden. Oder wie von Kursell es ausdrückt: „Langfristig hat sich das Furzen nicht als weihnachtlicher Brauch durchgesetzt.“

Eine andere Tradition, die aus Skandinavien den Weg nach Deutschland gefunden hat, ist die Wichteltür. „Das hätte ich vielleicht gemacht, wenn ich den Brauch schon gekannt hätte, als meine Tochter noch klein war“, gestand er. Dabei wird eine kleine Türe für Wichtel an der Haustür dekoriert und über die Weihnachtszeit eine Geschichte erzählt. „Das ist etwas, woran sich Kinder lange erinnern werden“, schätzt Kursell die Kreativität an diesem Brauch.

Keine Belehrung und keine Vorschriften

Genau solche Traditionen rund um das Fest der Liebe sind es, die er weitergeben will. Dafür veranstaltet er weihnachtliche Stadtführungen in Donauwörth. Dabei geht es nicht um die Geschichte der Stadt, sondern er nimmt bestimmte Plätze wie den Christbaum vor dem Rathaus zum Anlass, um über Weihnachtstraditionen sowie deren Entstehung und Verbreitung zu erzählen. Wichtig ist ihm dabei jedoch: „Es ist nicht meine Aufgabe, Leute zu belehren!“ Vorschriften zu machen, empfinde er als „anmaßend“.

Denn so wichtig wie die Bräuche selbst, ist ihm auch die Tatsache, dass es ein öffentliches und ein privates Weihnachten gibt. Das öffentliche Weihnachten besteht aus der stark amerikanisierten Werbung, den geschmückten Schaufenstern in der Stadt , dem Weihnachtspop im Radio und den immer gleichen Filmen im Fernsehen. Das private Weihnachten in der Familie hingegen kann jede Familie nach eigenem Geschmack gestalten, traditionell oder modern, religiös oder als gemütliches Familienfest. Und genau diese Freiheit macht das Fest so wundervoll. „Weihnachten kann im Prinzip jeder mitfeiern.“ (Manuel Habermeier)