Emil, Mia, Maximilian, Lea, Paul, Mila, Toni – das waren die beliebtesten Vornamen für Mädchen und Jungen in Donauwörth im Jahr 2024. Viele von ihnen sind in der Donau-Ries Klinik in Donauwörth auf die Welt gekommen. Jährlich betreuen die fünf Fachärzte sowie die derzeit elf Hebammen rund 600 Geburten. Pro Tag erblicken also rund ein bis zwei Babys dort das Licht der Welt – Tendenz steigend. Über die Gründe für die steigenden Geburtenzahlen in der Donau-Ries Klinik lässt sich nur spekulieren, denn eigentlich sinkt die Zahl der Geburten in Deutschland seit einigen Jahren stetig.
Eine Neuheit stößt bei werdenden Müttern aber auf besonders positiven Anklang. Seit Herbst 2024 gibt es einen modernen Kreißsaal mit einer sogenannten „Be-Up“-Ausstattung. Be-Up steht für „Birth Environment – Upright Position“ (zu Deutsch „Gebärumgebung – aufrechte Haltung”). Besonders Hebamme Anne Braun-Springer, die an der Donau-Ries Klinik tätig ist, hat sich für die kostenintensive, aber innovative Anschaffung starkgemacht.
,,Das oberste Ziel ist immer, dass Mutter und Kind wohlauf sind“, erklärt der Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Bart Van de Pas.
Im einzigen „Be-Up“-Kreißsaal zwischen Nürnberg, Stuttgart und Augsburg können Frauen in aufrechter Position selbstbestimmt ihr Kind bekommen. Von 2017 bis 2021 wurde in insgesamt 22 Kliniken eine Studie durchgeführt, für die ein Kreißsaal zu einem „Be-Up“-Gebärraum umgestaltet wurde. Ziel der „Be-Up“-Studie war es, die Auswirkungen einer neu gestalteten Gebärumgebung zu ermitteln, die den Frauen unter der Geburt mehr Bewegungsfreiheit ermöglicht und ihnen mehr Selbstwirksamkeit und Kontrollgefühl gibt.
Statt eines herkömmlichen Gebärbetts umfassen die Be-Up-Elemente mehrere Schaumstoffelemente, die während der Wehen mobil und abwechslungsreich genutzt werden können. Bequeme Liegen, Matten und Würfelsystem sind variabel einsetzbar.
Hebammenwissenschaftlerin und Leiterin der Be-Up-Studie Dr. Getrud M. Ayerle vom Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften der Universitätsmedizin in Halle erklärt: „In der wissenschaftlichen Literatur gibt es Hinweise darauf, dass Bewegung und aufrechte Körperhaltungen während der Wehen und der Geburt für Mutter und Kind vorteilhaft sind. Diese Aktivitäten der Frau fördern den natürlichen Geburtsvorgang und vermeiden eher einen Kaiserschnitt. Wir haben daher in unserer Studie eine alternative Geburtsumgebung entwickelt, die eine aufrechte Haltung und körperliche Bewegung der Gebärenden fördert sowie ihre Selbstbestimmtheit stärkt.“
Sektionsleiter Paul Keim ist vom neuen Be-Up-Kreißsaal begeistert, denn eine aufrechte Position und die bessere Beweglichkeit bei einer Geburt haben den Vorteil, dass sich das Becken besser weiten kann als in liegender Position.
Den Gebärenden wird aber nicht nur durch die Möglichkeit einer Entbindung im „Be-Up-Kreißsaal“ mehr Selbstbestimmtheit geboten, sondern in vielen weiteren Entscheidungen. „Wir können sehr vieles möglich machen“, berichtet Paul Keim. So erzählt er von der Möglichkeit, dass sogar Geschwisterkinder nach der Geburt mit im Familienzimmer übernachten dürfen. Dies sei in vielen anderen Krankenhäusern nicht möglich, erzählt der Mediziner.
Für das Geburtshilfe-Team der Donau-Ries Klinik sei es zudem eine Selbstverständlichkeit, auf die Wünsche und Bedürfnisse der Schwangeren einzugehen. „Wir respektieren den Geburtsplan einer Frau“, sagt Paul Keim.
Erprobtes Teamplay als Schlüssel zum Erfolg
Zudem lobt Keim, der erst seit wenigen Monaten auf der Donauwörther Geburtshilfe arbeitet, vor allem die tolle Stimmung auf der Station: „Die Atmosphäre hier ist sehr gut. Wir haben hier ein sehr gut funktionierendes Team aus Ärzten und Hebammen.“
Vor allem das Miteinander zwischen noch jungen und erfahrenen Kolleg*innen sei sehr besonders. „Die jüngeren Hebammen lassen sich von uns alten Hasen noch etwas sagen“, schmunzelt Keim.
Wer mittlerweile Hebamme werden möchte, absolviert aber keine klassische duale Ausbildung mehr. Am 1. Januar 2020 ist das neue Hebammenreformgesetz in Kraft getreten, das die Hebammenausbildung umfassend reformieren und modernisieren soll. Seitdem gilt: Wer Hebamme werden möchte, muss studieren.
Egal ob Ausbildung oder Studium, Frauenarzt Paul Keim, der in seiner beruflichen Laufbahn tausende Kinder auf die Welt gebracht hat, ist sich sicher: „Geburtshilfe muss man lernen.“